Aus meiner Lieblingsoper "Tristan und Isolde" O sink hernieder, Nacht der Liebe, gib Vergessen, daß ich lebe; nimm mich auf in deinen Schoß, löse von der Welt mich los! Verloschen nun die letzte Leuchte; was wir dachten, was uns deuchte; all Gedenken all Gemahnen heil'ger Dämm'rung hehres Ahnen löscht des Wähnens Graus welterlösend aus. Barg im Busen uns sich die Sonne, leuchten lachend Sterne der Wonne. Von deinem Zauber sanft umsponnen, vor deinen Augen süß zerronnen; Herz an Herz dir, Mund an Mund; eines Atems ein'ger Bund; bricht mein Blick sich wonnerblindet, erbleicht die Welt mit ihrem Blenden: die uns der Tag trügend erhellt, zu täuschendem Wahn entgegengestellt, selbst dann bin ich die Welt: Wonne-hehrstes Weben, Liebe-heiligstes Leben, Nie-wieder-Erwachens wahnlos hold bewußter Wunsch.
Dünkt dich das? Ich weiß es anders, doch kann ich's dir nicht sagen. Wo ich erwacht - weilt' ich nicht; doch, wo ich weilte, das kann ich dir nicht sagen. Die Sonne sah ich nicht, noch sah ich Land und Leute: doch, was ich sah, das kann ich dir nicht sagen. Ich war, wo ich von je gewesen, wohin auf je ich geh' im weiten Reich der Weltennacht. Nur ein Wissen dort uns eigen: göttlich ew'ges Ur-Vergessen! Wie schwand mir seine Ahnung? Sehnsücht'ge Mahnung, nenn' ich dich, die neu dem Licht des Tags mich zugetrieben? Was einzig mir geblieben, ein heiß-inbrünstig Lieben, aus Todes-Wonne-Grauen jagt's mich, das Licht zu schauen, das trügend hell und golden noch dir, Isolden, scheint! Isolde noch im Reich der Sonne! Im Tagesschimmer noch Isolde! Welches Sehnen! Welches Bangen! Sie zu sehen, welch Verlangen! Krachend hört' ich hinter mir schon des Todes Tor sich schließen: weit nun steht es wieder offen, der Sonne Strahlen sprengt' es auf; mit hell erschloßnen Augen mußt' ich der Nacht enttauchen - sie zu suchen, sie zu sehen; sie zu finden, in der einzig zu vergehen, zu entschwinden Tristan ist vergönnt. Weh, nun wächst, bleich und bang, mir des Tages wilder Drang; grell und täuschend sein Gestirn weckt zu Trug und Wahn mir das Hirn! Verfluchter Tag mit deinem Schein! Wachst du ewig meiner Pein? Brennt sie ewig, diese Leuchte, die selbst nachts von ihr mich scheuchte? Ach, Isolde, süße Holde! Wann endlich, wann, ach wann löschest du die Zünde, daß sie mein Glück mir künde? Das Licht - wann löscht es aus? Wann wird es Nacht im Haus?
Aus Siegfried (Richard Wagner) MIME
(sitzt, als der Vorhang nach einem kurzen Orchestervorspiel aufgeht, am Ambosse und hämmert mit wachsender Unruhe an einem Schwerte: endlich hält er unmutig ein) Zwangvolle Plage! Müh' ohne Zweck! Das beste Schwert, das je ich geschweißt, in der Riesen Fäusten hielte es fest; doch dem ich's geschmiedet, der schmähliche Knabe, er knickt und schmeißt es entzwei, als schüf' ich Kindergeschmeid!
(Mime wirft das Schwert unmutig auf den Amboß, stemmt die Arme ein und blickt sinnend zu Boden) Es gibt ein Schwert, das er nicht zerschwänge: Notungs Trümmer zertrotzt' er mir nicht, könnt' ich die starken Stücke schweißen, die meine Kunst nicht zu kitten weiß! Könnt' ich's dem Kühnen schmieden, meiner Schmach erlangt' ich da Lohn!
(Er sinkt tiefer zurück und neigt sinnend das Haupt) Fafner, der wilde Wurm, lagert im finstren Wald; mit des furchtbaren Leibes Wucht der Niblungen Hort hütet er dort. Siegfrieds kindischer Kraft erläge wohl Fafners Leib: des Niblungen Ring erränge er mir. Nur ein Schwert taugt zu der Tat; nur Notung nützt meinem Neid, wenn Siegfried sehrend ihn schwingt: und ich kann's nicht schweißen, Notung, das Schwert!
(Er hat das Schwert wieder zurechtgelegt und hämmert in höchstem Unmut daran weiter) Zwangvolle Plage! Müh' ohne Zweck! Das beste Schwert, das je ich geschweißt, nie taugt es je zu der einzigen Tat! Ich tappre und hämmre nur, weil der Knabe es heischt: er knickt und schmeißt es entzwei, und schmäht doch, schmied' ich ihm nicht!