Die Kunst der Filmmusik Vorwort: Kurze Anmerkung zum Text: Er hat keinerlei Anspruch auf Wissenschaftlichkeit, sondern spiegelt mit jedem Satz meine eigene Meinung wieder. Es war nicht mein Anspruch einen allgemein gültigen Text zu verfassen, sondern 100% subjektiv die Materie zu betrachten. Ich schrieb ihn während meiner Schulzeit (ist also schon ein paar Jahre her) und beschränkte meine Betrachtung auf Komponisten, die mich interessierten.
Einleitung: In einer Zeit, wo neue Ideen immer seltener werden und immer wieder alte Ideen neu aufgepeppt werden, um sie vermarkten zu können, sind echte Innovationen sehr selten anzutreffen. Und dies betrifft leider nicht nur den Mainstream Markt, sondern leider auch immer mehr verschiedenste Kunstformen. So werden heutzutage kaum noch Bücher geschrieben, die so oder in einer ähnlichen Form bereits existiert haben, oder Gemälde gemalt, mit Motiven, die wirklich mal etwas neuen Schwung in dieses Gebiet bringen, ja gibt es doch bereits alles. Und selbst die Wunderwaffe der Kunst, der absolute Schock zum Zwecke der Provokation (Kuh in die Luft sprengen als Kunstwerk, Kirche mit Gas füllen um an den Holocaust zu erinnern) vergilben mehr und mehr. Natürlich gibt es immer wider Ausnahmen, Ausnahmen, die den Eindruck erwecken, daß es tatsächlich noch unglaublich viele neue Ideen gibt, die verwertbar sind, aber die Regel zeigt ein ganz anderes trauriges Bild auf: "Es mangelt immer mehr an neuen Ideen. Und das entweder, weil es keine kreativen Köpfe mehr gibt oder viel mehr weil es tatsächlich kaum noch verwertbare Ideen gibt!" Dies betrifft jegliche Form der Kunst, ob nun Schrift, Bild, Film oder Musik. Die Folge der mangelnden Ideen ist, daß tatsächlich kreative Ideen so oft verwendet werden, daß sie zu einem Klischee verkommen. Jedoch darf man dabei nicht vergessen, daß die Idee als solche trotzdem sehr gut sein kann! In diesem Text geht es um die Kunst der Filmmusik, warum Filmmusik eine der großen musikalischen Kunstformen ist, ja wenn nicht vielleicht die musikalische Kunstform des letzten Jahrhunderts, und das trotz des Mangels an neuen Ideen in der heutigen Zeit.
Über die Filmmusik: Filmmusik begründet sich in der Tradition klassischer Musik. Beethoven, welcher die sinfonische Musikform seiner Zeit bis an die Grenzen des damals möglichen entwicklete und sinfonische Werke von Mozart in Komplexität, Länge und Gehalt um Längen schlug, könnte als ein erster Richtungsgeber betrachtet werden. Bruckner und Mahler verfolgten diesen Weg konsequent weiter und schlugen dabei den wagnerischen Weg ein, Wagner, einer Zeitgenosse Bruckners, der nicht zuletzt auch als MItbegründer moderner Filmusik anzusehen ist und ebenso wie Beethoven Mahler stilistisch prägte.
Seit es den bewegten Tonfilm gibt, gibt es auch Filmmusik. Zunächst wurden jedoch keine Stücke direkt für die Filme komponiert, sondern lediglich Aufnahmen klassischer Komponisten zur Untermalung von Szenen benutzt. Erst etwa 20 Jahre nach der Geburt der Filmmusik wurden Stücke auch extra für Filme komponiert, jedoch waren diese Stücke eine relativ einfache Kopie bekannter Werke, vornehmlich Operetten Stücke. Filmmusik als solche gab es zu diesem Zeitpunkt eigentlich gar nicht wirklich, sondern es war lediglich die Idee geboren, Bild mit Musik zu untermalen. Erst einige Jahre später erschienen die ersten wirklichen Filmmusiken, jedoch stellten diese zunächst einen verschwindend geringen Teil in der Filmmusik ein. Mit der Zeit wurden aber immer mehr Stücke direkt für den Film komponiert, bis dies plötzlich der Standart war und die Verwendung von bereits komponierten Werken ungebräuchlich wurde. Und so entwickelte sich Filmmusik immer weiter zur Eigenständigkeit und distanzierte sich von dem operettenhaften Klängen langsam in eine ganz eigene Richtung.
Ein Komponist, der für seinen Teil Filmmusik als blanke Kopie der Klassik abstempelte und sie zu Recht als "Nicht ernst zunehmende Musik" bezeichnete, war George Antheil. Dieser amerikanische Komponist, der mit seiner neoklassistischen Musik für Aufsehen sorgte, mußte sich zu Kriegszeiten seiner eigentlichen Arbeit als klassischer Komponist abwenden, um verdiente in Hollywood Geld als Filmmusiker. Glücklicherweise konnte er es sich nicht nehmen lassen, sein Geschick für moderne Klänge auch in seinen Filmmusiken durchklingen zu lassen, völlig neue Töne also, für eine Kunstform, die von operettenhaften Schmalz nur so überströmt war. Er wurde zwar nie ein Vollblutfilmmusikkomponist, jedoch hatte er (nicht nur er) der Filmmusik eine neue Perspektive geboten, Filmmusik sollte nicht nur Reproduktion von altem sein, nein, es sollte eine Plattform für musikalische Experimente sein. Zwischenzeitlich wurde die Entwicklung durch die permanente Einbindung von Jazz blockiert, eine Einbindung, die sich finanziell sehr auszahlte, da diese zeitgenössische Musik die Verkaufszahlen der Soundtracks steigen ließ. Leider wurde der Jazz, der sich seit seiner Entstehung rasant entwickelte, permanent kopiert nicht aber neu erfunden oder weiterentwickelt, eine Tatsache, die viele Musikhistoriker zu Recht im Bezug auf Filmmusik negativ eben dieser analsteten. Dies führte wieder zu der berechtigten Aussage, daß Filmmusik lediglich kopiert, nicht aber selber erfindet. Doch trotz aller Modeerscheinungen, entstanden zwischenzeitlich immer wieder Werke, die abseits der Mainstreamfilmmusik stand. Denn letztendlich folgten George Anteil im Laufe der Zeit auch andere Komponisten seinem Beispiel, doch erst gegen Mitte der 50ziger Jahre sorgten Komponisten wie Bernard Herrmann für den absoluten Höhenflug der Filmmusik. Die Einbindung der Chromatik und der Kontrastierung der Harmonik und Disharmonik schöpften das Potential der Filmmusik voll aus. Das Resultat war eine musikalische Synthese spätromantischer bis neoklasszistischer Stielrichtungen, die durch diese Synthese eine größere Dynamik aufwies als konzentriert tonalen oder atonalen Stücke. Spätere Komponisten haben es sogar geschafft, Atonalität und musikalischer Formalismus populär zu gestalten, geschmeidig zwischen Tonalität und Atonalität zu wechseln, was sich z.B. in "Der Weiße Hai" von John Williams zeigt.
Da Filmmusik auf dem Film basiert, ist Programmatik eine natürliche Folge gewesen. Programmmusik ist als darstellende Musik zu verstehen. Ein berühmtes Beispiel dafür ist z.B. "Bilder einer Ausstellung" von Mussorgsky, welches eine Gang durch eine Galerie darstellt und musikalisch die Bilder zeigt.
Zurück zur Filmmusik: Es stellten sich 3 Arten von Möglichkeiten heraus, Film geschickt zu vertonen:
1. Filmmusik, die Handlung darstellt 2. Filmmusik, die die Umgebung darstellt 3. Filmmusik, die die emotionale Situation eines Charakters im Film darstellt
Ein gutes Beispiel für Punkt Nummer 1 ist zum Beispiel der Soundtrack von Star Trek 1. Die Handlung wird präzise von der Musik nacherzählt. Am Anfang von Star Trek 1 sieht man 3 Klingonenschiffe, die auf eine riesige Wolke zufliegen. Jerry Goldsmith, der Komponist von Star Trek 1, beschreibt die Klingonen mit einem kleinen militärisch anmutendem Motiv, daß in drei verschiedenen Tonhöhen anklingt (3 Kriegsschiffe). Eine gleichmäßige rhythmische Untermalung beschreibt die permanente Bewegung dieser Raumschiffe, sie befinden sich nicht im Stillstand. Als sie allerdings auf die Wolke treffen, die gewaltig anmutet und elektrisch erscheint, wird diese mittels eines elektronischen Geräuschs dargestellt, das ein viel weiteres Klangspektrum hat als das Klingonenmotiv, also ein Zeichen von Größe.
Ein gutes Beispiel für Punkt 2 ist der Planet der Affen Soundtrack. Hier wird die fremdartige Umgebung sehr präzise wiedergegeben. Fremde Klänge, modern, ja fast Strawinski oder Bartok ähnliche Klänge und rhythmische Gerüste, die in einer neuartige Weise erklingen. Hier zeigt sich eindrucksvoll, daß Filmmusik auch als Plattform für musikalische Experimente dienen kann. Die emotionale Situation eines Charakters wird zum Beispiel in der Filmmusik von Patton sehr deutlich. Hier erklingen Drei Grundmotive, die Patton in seiner Person und sein Seelenleben genau beschreiben. Da wäre einmal das religiöse Motiv, das altertümliche und das militärische Motiv. Diese Grundelemente werden den jeweiligen Stimmungen des Charakters im Film angepaßt, so daß dieser Soundtrack am Ende vielmehr eine Charakterstudie darstellt, als einfach nur Musik, die zur Untermalung dient.
Die eigentlich Kunst der Filmmusik besteht darin, die richtigen Töne für den jeweiligen Film zu finden, die Musik richtig einzusetzten. Sie soll nicht aufdringlich klingen, aber sie soll auch nicht zu starr, zu eintönig sein, egal ob es sich um vertraute Töne handelt, romantisch schön anmutende Klänge, oder um schreckliche Klänge, oder um gar keine Klänge, eine weitere Methode, um den Zuschauer in seiner Angst förmlich alleine zulassen.
Sehr geschickte Komponisten wie Bernard Herrmann vertieften sich aber nicht auf die Vertonung, die einfach nur passen sollten, sondern vertonten kontrapunktiert zu dem was gesehen wird. Bei Gewaltszenen wurde zum Beispiel keine rasante atonale Musik gespielt, sondern ganz ruhige romantische Klänge. Oder bei Bewegungen, die immer schneller wurden, wurde die Musik immer ruhiger und entspannter. Im Laufe der Zeit wurden immer kreativere Wege gefunden, Bild mit Ton zu untermalen, jedoch stellten diese Kompositionen selbst 1950 noch eine Ausnahme da.
Andere Komponisten folgten dem guten Beispiel und fanden immer neue Wege, Bild mit Ton zu Untermalen. John Williams verstand es zum Beispiel, einen Film mit seiner Musik genau zu beschreiben, ja gar zu interpretieren. Um Filmmusik wirklich verstehen zu können, darf man sie nicht nur an ihren romantischen Motiven bewerten, ein Fehler, der häufig gemacht wird. Filmmusik ist der Kontrast zwischen Schwarz und Weiß, Filmmusik ist schön und häßlich zugleich, Filmmusik ist genauso Zeitgemäß wie sie auch unzeitgemäß ist. Und Filmmusik ist genauso Industriestandart wie sie fernab jeglichen Mainstreams ist. Genau darin liegt ja der Zauber. Ein Beispiel: Der Soundtrack zum Film Coma. Es geht in diesem Film um eine Liebesbeziehung und eine große Verschwörung. Die Liebesbeziehung wird mit einer einfachen romantischen Melodie dargestellt, die vor Leichtigkeit nur so strotzt. Der restliche Soundtrack ist genauso ungewöhnlich wie innovativ. Alleine schon die Orchesterbesetzung stellte ein Novum da. Unzählige Streicher, 4 Klaviere, ganz wenige Schlagzeuge und keine Bläser, ungewohnte Klänge, besonders auch deshalb, weil es nur sehr wenig Melodie gibt, ja vielmehr Motive, die sich zu einem größeren ganzen Zusammensetzen.
Fazit: Für mich ist und bleibt Filmmusik neben der großartigen klassischen Musik eine wundervolle Kunstform, die ich nicht missen möchte. Es gibt so dermaßen geniale Kompositionen, die ich wirklich vom ganzen Herzen liebe. Gute Filmmusik ist kein Zufall, sondern zeugt vom wahren Können der Komponisten.
Pflichtsoundtracks (es gibt noch wesentlich mehr, die Liste könnte endlos sein) Jerry Goldsmith: Planet der Affen Star Trek 1 Coma Patton Medicine Man Tora, Tora, Tora The Omen Basic Instinct Outland Capricorn One Legend
John Williams: Alle Star Wars Soundtracks Jurassik Park Der weiße Hai Indiana Jones 1 bis 3 Schindlers Liste 7 Jahre in Tibet Harry Potter 1
Bernhard Hermann: Vertigo Psycho Taxi Driver North by Northwest The day the earth stood still
Hans Zimmer: The Thin Red LIne Gladiator
James Horner: Der Sturm Deep Impact Willow Maske des Zorro Braveheart Star Trek 2 und 3 Titanic Der 200 Jahre Mann
Howard Shore: Herr der Ringe 1 bis 3 The Cell
John Berry: Der mit dem Wollf tanzt You only live twice
Marco Beltrami: Terminator 3
Angelo Badalamenti: Mulholland Drive The Straight Story
James Newton Howard: The Village Dinosaurier
Dimitri Tiomkin: The Alamo The Fall of the Roman Empire
Cliff Eidelman: Star Trek 6
Alfred Newman: The Robe
Ennio Morricone: Die Legende vom Oceanpianisten Der Zauber von Malena Cinema Paradiso For a few Dollars more My Name is nobody Once upon a time in the west
Liste wird vervollständigt und um weitere Komponisten erweitert.
Willkommen auf Paganinis Wolke
Wer etwas über Musik fachsimpeln möchte, hier ein paar wichtige Begriffe: Akkord = Zusammenklang von drei oder mehr Tönen. Arpreggio = Nacheinander-Spielen der Töne eines Akkords chromatische Figur = eine Figur, welche nur Halbtonschritte verwendet, in einer normalen Tonart dominieren Ganztonschritte Crescendo = Lauter werden Decrescendo = Leiser werden Dissonanz = "Missklang", damit ist nicht gemeint, dass etwas schlecht klingt, sondern dass traditionelle Harmoniestrukturen missachtet werden, um z.B. ein wenig Würze in ein Stück zu bringen oder um Stimmungen besser ausdrücken zu können. Glissando = durch die Tonleiter "gleiten", als wenn man auf einem Klavier mit der Hand von oben nach unten oder unten nach oben streicht Motiv = Meist melodisches, einprägsames Element in der Musik. Das Motiv ist das kleinste Glied der Komposition. ritardando = langsamer werden, musikalisches Stilmittel, um die Aufmerksamkeit auf ein Thema zu lenken Sechzehntelpassagen = die Sechzehntel ist ein schneller Notenwert Staccato = kurz, abgehackt Thema = Melodischer oder (seltener) harmonischer Grundgedanke in der Musik, der aus à Motiven besteht und verarbeitet werden kann. Tutti = alle spielen, volles Orchester unisono = das ganze Orchester oder in Großteil spielt ein und dieselbe Stimmt zusammen